Nach einem leicht verrücktem Spiel stehen die B-Mädchen der JSG Adendorf/Ilmenaa im Halbfinale des Bezirkspokals. Ok, nach dem Sieg im Bezirkspokal letztes Jahr scheint das erstmal nichts außergewöhnliches zu sein. Doch der Halbfinaleinzug in diesem Jahr gleicht eher einer kleinen Sensation. In der letzten Saison waren wir noch C-Mädchen, überwiegend der ältere Jahrgang und in vielen Pokalspielen in Bestbesetzung. In diesem Jahr lief es anders. Wir sind der weitestgehend jüngere Jahrgang und traten zum Spiel ohne Torhüterin und Spielmacherin an, dazu sind einige der länger verletzten Mädels nocht nicht wieder zurück in ihrer alten Form. Nach einer langen Anreise ins Hinterland von Cuxhaven trafen unsere Mädels am Samstag Nachmittag zudem auch nicht auf irgendwen, sondern den amtierenden und in dieser Saison stets siegreichen Tabellenführer der zweiten Bezirksligastaffel, den FC Geestland I. Die Ausgangslage sprach selten so deutlich gegen uns wie in diesem Spiel.

Das Heimteam hegt große Ambitionen in dieser Saison, das war schnell zu erkennen. Gespickt mit vielen Mädchen im älteren Jahrgang, die zudem schon über Spiele im Damenbereich absolviert haben, verfügt es neben einer hohen technischen Qualität auch über umfangreiche Erfahrung auf dem 11er Feld. ist Zahlreiche Zuschauer fanden sich zu Spielbeginn ein und unterstützten während des Spiels ihr Team direkt von der Seitenlinie aus.

Bevor es aber losging musste ja bei uns ja noch jemand ins Tor. Das Schicksal traf Leonie, die vor Begeisterung gleich mal an die nichtvorhandene Decke sprang.  😉 Großer Dank der Mannschaft an dieser Stelle an Ellen, die sich bereiterklärt hatte, den Versuch im Tor zu wagen und kurzfristig dann doch Leonie weichen musste. Taktisch und von der Aufstellung her galt es einiges umzustellen, aber insgesamt war der Plan simpel: Befreit aufspielen, diszipliniert gegen den Ball arbeiten, klare Spielzüge, das Spiel trotz der so offensichtlichen Nachteile so lange wie möglich offenhalten.

Wir begannen zwar nicht nervös, aber sehr fahrig. Die Gastgeberinnen übernahmen vom Anstoß an das Kommando und in den folgenden 10-15 Minuten liefen wir dem Geschehen nur hinterher. Die Momente, in denen wir mal am Ball waren, konnte man an einer Hand abzählen. In dieser Phase stellten wir ein besonderes Phänomen fest: Leonie kann Bälle am Tor vorbeigucken.  😎 Über diese Fähigleit verfügen in Deutschland nur eine Handvoll Torhüter, darunter Manuel Neuer. Von ihre Begabung machte Leonie fleißig gebrauch, die wenigen Bälle auf das Tor wehrte sie zunehmend begeistert ab. Geest verdaddelte die ersten Chancen, ehe es über 3/4 Toni und Annika die erste richtige Chance gab. Lina war auf und davon, konnte den Ball zwar nicht im Tor versenken, aber das Signal an den Rest des Teams war deutlich zu spüren: „Wir sind keine Laufkundschaft und nicht nur zu Besuch hier.“ Verbunden mit ersten Wechseln und taktischen Umstellungen fand unser Team nun besser ins Spiel. Weiterhin hatten wir kaum Zugriff, wenige Ballbesitzphasen. Aber das Spiel gegen den Ball klappte deutlich besser. Von der ersten Angriffsreihe bis zum Abwehrzentrum war die Mannschaft einsatzbereit und laufstark. Eine über das gesamte Spiel hinweg überragende Lauf- und Einsatzbereitschaft ließ die Geester Angriffe zunehmend verpuffen. Weiterhin gab es kritische Momente, doch immer kam irgendwo ein Bein, ein Körper oder mal eine ganze Lissi angeflogen und blockte den möglichen Schuss ab. In der Schlussphase der ersten Halbzeit befreite sich das Team zunehmend und wagte sich aus der gesicherten Deckung. Geest bekam den Umschwung nur bedingt mit und musste ein recht kurioses Gegentor hinnehmen. Jana und 3/4 Toni spielten sich gemeinsam frei, liefen gemeinsam mit dem Ball auf das Tor zu und diskutierten gefühlt ewig aus, wer den nun auf das Tor schießen soll anstatt einfach abzuschließen. Ein typischen Frauenphänomen? Keine Ahnung, jedenfalls zog irgendwann 5 Meter vor dem Tor Toni unhaltbar mit links ab und drinn war das Ding. 😀 Die Führung gab nun noch mehr Auftrieb, schade das schon kurz Halbzeit war.

In der Pause lief die Spielanalyse recht einfach: „Der Gegner ist besser, bei einigen Mädels bei uns läuft es nur bedingt gut. Wir spielen insgesamt schlecht, sind weit unter unserem Niveau, führen aber. Leidenschaft und Einsatz stimmen, das Team ist voll da, also weiter so.“ Geest kam mit Wucht aus der Kabine, rannte sich aber schnell fest. Spielerisch überzeugten sie weiterhin auf ganzer Linie, taktisch gesehen war es auch ganz ok, aber noch immer war zu spüren, das sie nicht ernsthaft bei der Sache waren. Ihnen gelang sehr glücklich, aber auch nicht unverdient der Ausgleich. Leonie war von der Sonne geblendet und konnte den eigentlich sicheren Ball daher nicht am Tor vorbeigucken. Völlig egal. Mit den nächsten taktischen Anpassungen bekamen wir nun entgültig das Spiel in den Griff. Basierend auf den Erfahrungen aus dem letzten Spiel gegen Woltersdorf stellten wir nochmals um. Lena bekam nun zwar keine realistische Chance mehr ein Tor zu erzielen, konnte dafür mehr gegnerische Beine und Pässe einsammeln. Nach ein, zwei Versuchen gelang uns durch Mavie die toll herausgespielte erneute Führung, Lina machte kurz mit dem 3:1 darauf den Deckel zu. In den letzten Minuten warf Geest alles nach vorn, doch unsere Mädels konterten die Angriffswucht mit klugem Pass- und Stellungsspiel, so dass auch der Nachspielzeit Leonie nicht eingreifen musste.

Wie in einem Pokalspiel üblich, gab es Ende der Partie Sieger und Verlierer. Während die Geester die Köpfe hängen ließen und nachvollziehbarerweise dem möglichen und machbaren Halbfinaleinzug hinterhertrauerten, jubelten unsere Mädels und die mitgereiste Fangruppe um Andrea, Sara, Sarah, Katharina und Reinhardt ausführlich. Wir Trainer freuten uns sowieso wie Bolle und konnten angesichts dieser tollen Mannschaftsleistung nur den Hut ziehen. Nach dem Duschen ließen Team und Fans den Tag mit einem gemütlichen Abend in einer der örtlichen Pizzerien ausklingen, ehe es mit einer nächtlichen 2 Stundenfahrt zurück nach Lüneburg ging.
Das Fazit nach Spielende fiel ebenso schlicht aus wie die Halbzeitanalyse: „Schlecht weitergespielt, hervorragend gekämpft, Charakter in allen Spielphasen und Mannschaftsteilen bewiesen. Die Abwehr steht für einander ein, die Stürmer schießen Tore und das Mittelfeld macht bei allem alles mit.“ Einmal mehr zeigte sich, wie schnell die Mannschaft in dieser ersten Saison als B-Mädchen in der Bezirksliga gereift ist, wie gut das Team auch in kritischen Phasen zusammenhält. Und wie viele Mädchen auf dem Platz stehen, bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und voranzugehen. Nun geht es ab in die Hallensaison gegen neue Gegner in bislang noch unbekannten Turnhallen. Wir sind gespannt und zuversichtlich.

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