F-Mädchen gegen U9 TuS Erbstorf endete mit 6:6

Vor wenigen Tagen durfte die Fußballwelt eine Sternstunde des Sports erleben. Liverpool dreht das entscheidende Europapokal-Spiel gegen siegessichere Kicker von Borussia Dortmund. Eine magische Nacht im Stadion an der Anfield Road, über 40 000 Fans peitschen die Männer in Rot zum Sieg in der Nachspielzeit. Für unsere Mädchen war dies zwar alles eine Nummer kleiner, doch auch im Stadion am Scharnebecker Weg 😎  gab es einen magischen Nachmittag. Angetrieben von zahlreichen Fans, lautstarken Fangesängen und der ihnen eigenen Leidenschaft drehten die Mädels in Rot das Spiel nach einem eigentlich hoffnungslosen Rückstand. In den letzten Minuten des Spiels sangen die zahlreichen Fans „Einer geht noch, einer geht noch rein…“, die Trommel glühte und Anwohner berichteten später, das man das Geschehen auf dem Sportplatz bis weit in die Wohngebiete rein hören konnte. :mrgreen:

Der Spielerverlauf:

Kalter Wind fegte über den Platz, das Wetter war bescheiden, aber zumindest regnete es nicht. Die Mädchen trafen sich zum ersten Mal in dieser Saison zu einem Draußenspiel. Lebhaft ging es in der Kabine zu, es gab ja so viel zu erzählen.  😆 Auf dem Platz ging es schon beim Aufwärmen hoch her. Mit großer Konzentration und viel Einsatz bereiteten sich die Mädels auf das Spiel vor.

Mit dem Anpfiff ging es gleich los. Die Jungs aus Erbstorf begannen engagiert und mit viel Spielübersicht. Sie ließen den Ball gut laufen und brachten sich immer wieder in gute Abschlusspositionen. Unsere Mädels hatten ordentlich Probleme. Sie liefen viel, versuchten schnell den Gegner zu stellen. Doch mangelnde gemeinsame Spielpraxis machte ihnen das arg schwer. Die Mädels spielen sonst in drei verschiedenen Juniorenteams, auf recht unterschiedlichen Positionen und mit sehr unterschiedlichen Einsatzzeiten. Erbstorf ging schnell und verdient in Führung und baute diese im Laufe der ersten Halbzeit auf 0:5 aus.  😯 Doch im Laufe des Spiels bekamen die Mädels immer mehr Organisation rein, die Abwehr mit Lena und Kapitän Sara stand zunehmend sicher und das Mittelfeld mit Fabienne, Stina und Finni konnte so manchen Gegenangriff einleiten. Vorne wirbelten abwechselnd Emma und Marie, mehrmals ging es knapp vor dem gegnerischen Tor zu. In unserem Tor musste Pia Schwerstarbeit leisten, doch einige Gegentreffer waren einfach nicht zu verhindern.

Unsere Mädels kamen zwar müde und abgekämpft in die Pause, aber die Augen blitzten noch: Ein Tor schaffen wir! Wie so oft in letzter Zeit kommen die Adendorfer Teams stark aus der Pause und so war es auch heute. Mit geänderter Taktik, Aufstellung und neuen Absprachen sowie einer neuen Spielführerin war das Ziel klar: Es galt ein Tor zu erzielen. Lena trug nun die Armbinde, Sara spielte taktisch gesehen nun deutlich riskanter und überließ Lena weitestgehend die Abwehr. Fabienne ging nun ins Tor und sicherte mit guten Paraden den Kasten. Die Erbstorfer Jungs wirkten überrascht von der Angriffswucht der Mädels. Unter großem Jubel erzielte Pia nach kurzer Zeit den vermeintlichen Ehrentreffer. Großer Jubel? Ja, verdammt großer Jubel. Denn die Trainingseinheiten der U8 und U9 (in denen sonst die Mädchen spielen) endeten mit Beginn der zweiten Halbzeit und zahlreiche Jungs feuerten ihre Mitspielerinnen und Klassenkameradinnen an. Leo ließ die Trommel glühen, eine großartige Stimmung am Spielfeldrand entstand. Zwar schlugen die Erbstorfer umgehend zurück, erzielten das 1:6 nach einem mustergültigen Angriff. Doch die Mädels hatten Feuer gefangen, der nächste Angriff rollte auf das Tor der Gäste zu. Als mit Emma die mit Abstand jüngste Spielerin auf dem Platz das zweite Adendorfer Tor erzielte brach ein ohrenbetäubender Jubelsturm im Zuschauerbereich los. Mittlerweile hatten mehrere Jungs der U10 sich von ihrem Training abgeseilt und feuert die Mädels von der anderen Seite an. Hin und her schallte es nun auf dem Platz und die Mädels spielten sich in ein Rausch, in dem mittlerweile alles gelang. Stina tanzte nach einem doppelten Übersteiger und anschließendem Zidane-Trick gleich zwei Gegenspieler aus und schickte Pia auf die Reise. Die machte das 3:6 und die Mädchen waren nun entgültig oben auf. Doppeln, Gegner hinterlaufen, Zweikämpfe gewinnen, Bälle halten. Alles gelang. Die Ein-Frau-Abwehr Lena spielte großartig auf, zerbröselte jeden Erbstorfer Entlastungsangriff. So konnte sich Sara immer mehr vollem Einsatz in das Mittelfeld werfen und dort für deutliche Überzahl sorgen. Mit Stina, Pia und Sara wirbelte nun das „alte“ Trio wieder zusammen über den Platz und ließ letztendlich dem Gegner kaum eine Chance. 4:6 durch Pia nach Ballgewinn durch Finni und Querpass Stina. Mit guten Wechseln hielten wir das Tempo hoch, denn nicht nur die Spielerinnen auf dem Platz hatten es gemerkt: Hier ist noch alles drinn. Die Bäckchen knallrot, in jeder Spielunterbrechung pumpten die Lungen nach Luft, aber die Augen blitzten. Nach starkem Pressing durch die gesamte Mannschaft kam der Ball erneut zu Pia, sie erzielte mit einem satten Schuß das 5:6. Wie in Liverpool wenige Tage zuvor lag die Sensation in der Luft, der zuvor unmöglich gehaltene Ausgleich war zum greifen Nahe. Die Erbstorfer Jungs kämpften tapfer gegen die Situation an, fühlten sich wohl wie die Dortmunder: Ein Gegner im Torrausch, dem beinahe alles gelang und zudem von einem phantastischem Publikum zu Höchstleistungen angetrieben wurde. In den wenigen Minuten vor dem Schluss ging es hoch her, und letztendlich passierte das was wohl alle auf dem Platz schon geahnt, gehofft oder befürchtet hatten: Die Mädels gelang der Ausgleich! In ihrer unnachahmlichen Art tankte Pia sich durch die Gegner durch und ballerte das Team zum gefühlten Sieg. Kurz nach dem Anstoß pfiff der Schiedsrichter die Partie ab, unsere Heldinnen ließen völlig erschöpft in die Arme ihre Fans und Eltern fallen.

Das Fazit:

Wahnsinn! Was für ein Spiel, welch eine Stimmung! Die Erbstorfer Jungs machten alles richtig, ließen den Ball gut laufen, gewannen in der ersten Halbzeit viele ihrer Zweikämpfe, erzielten zahlreiche Tore. Ein Team auf der Siegerstraße. Und dann kam die Pause und mit ihr die Zeit, in der sich vieles änderte. Die Mädchen fanden zu sich selbst, die Fans die Bindung zur Mannschaft und mit Emmas Tor war auch der Glauben da: „Die schaffen das!“ Die Mädels spielten sich in den Rausch, genossen sichtbar den Moment auf dem Platz. Dieses Spiel wird die Mannschaft noch lange begleiten, ihr in manch schwerer Situation Hoffung und Mut geben. Am kommenden Montag treffen unsere Mädels erstmalig auf ein reines Mädchenteam als Gegner. Mal schauen wie es dann so läuft. Die Trommel und die Fans werden jedenfalls wieder da sein.

Die Aufstellung:

Emma (1), Fabienne, Finni, Lena, Marie, Pia (5), Sara, Stina sowie unzählige Fans als zwölfte Frau  😀 auf dem Platz.

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